Störungen des unteren Harntrakts, LUTS

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LUTS, Störungen des unteren Harntrakts.

LUTS ist keine eigenständige Erkrankung, sonder ein Sammelbegriff für Symptome, die bei verschiedenen Erkrankungen des unteren Harntrakts oder der Prostata auftretten.

Der Begriff Lower Urinary Tract Symptoms, kurz LUTS ist seit 2002 bekannt, umfasst Störungen, Speicher- und Entleerungssymptome sowie Symptome nach Blasenentleerung.

Bei Männern mit tastbarer Prostatavergrößerung und Blasenproblemen, unabhängig von Symptomen, wird die Prostata als Ursache angesehen. Es wird von BPH oder BPS (Benignes Prostatasyndrom) gesprochen.

Männer mit LUTS haben oft auch eine schlechte Schlafqualität, besonders Männer, die in unregelmäßigen Schichten arbeiten.
Schlechter Schlaf kann die Symptome von LUTS verstärken, vielleicht sogar mit auslösen.
Howard L. Adler, Urologieprofessor an der Medizinischen Universität von Stony Brook (USA) empfehlt Ärzten, die Patienten mit LUTS betreuen, auch über Maßnahmen zur Verbesserung des Schlafs, z.B. Schlafhygiene, zu sprechen.

Es gibt keine Korrelation zwischen der Symptomatik und der Prostatagröße.
Die Störungen des unteren Harntrakts  kommen bei Männern sehr häufig vor. Laut der EPIC-Studie aus 2006 berichten 62,5 % der 7.454 untersuchten Männer über 18 Jahren über LUTS-Symptome. Davon entfallen

  • 51,3 % auf Speicherprobleme (Syndrom der überaktiven Blase):  erhöhte Miktionsfrequenz tags und/oder Nykturie und/oder imperativer Harndrang mit oder ohne Dranginkontinenz.
  • Nur 25,7 % betreffen Entleerungssymptome: schwacher, unterbrochener Harnstrahl, Startschwierigkeiten, Miktion mit Bauchpresse sowie terminales Nachtröpfeln.
  • 16,9 % haben postmiktionelle Probleme: Restharngefühl oder Harnnachträufeln

Studie vom Jahr 2009: Von 14.139 Männern über 40 Jahren berichten 71 % über Störungen des unteren Harntrakts:

  • 12,1 % hatten nur Entleerungsprobleme,
  • 10,3 % hatten Speicher-und Entleerungsprobleme,
  • 9,1 % nur Speicherprobleme.
  • 10,4 % berichteten über Entleerungsprobleme und postmiktionelle Probleme,
  • 3 % hatten allein postmiktionelle Probleme,
  • 2 % Speicherprobleme und postmiktionelle Probleme.
  • Die mit 24,3 % größte Gruppe hatte alle 3 LUTS-Symptome.

Bei 168 wegen der LUTS behandelten Patienten erkrankten 37 an Prostatakrebs.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Prostatakarzinom Diagnose bei Männern jünger als 65, die wegen der LUTS behandelt wurden, war um fast das Zweieinhalbfache höher als bei Männern ohne LUTS-Therapie.
Bei Männern über 65 war das nicht der Fall.

Bei den jüngeren Männern, die wegen LUTS behandelt werden, wird genauer hinsgechaut, ob sich ein Prostatakrebs gebildet hat. Bei erhöhtem PSA Wert, der auch durch vergrößerung der Prostata  vorkommt, wird eine Biopsie notwendig.

Therapie Optionen

  • Watchful Waiting
  • Alpha-1-Rezeptorblocker (Alphablocker)
  • Reduktasehemmer (Finasterid, Dutasterid)
  • Muskarinrezeptorantagonisten (Anticholinergika)
  • Phytotherapie
  • Desmopressin
  • Kombinationstherapie  Alpha-1-Rezeptorblocker + 5α-Reduktasehemmer
  • Kombinationstherapie Alpha-1-Rezeptorblocker + Muskarinrezeptorantagonisten
  • Phosphodiesterase-5-Hemmer +/- Alpha-1-Rezeptorblocker
  • ß3-Rezeptoragonisten
  • Radikale Prostataektomie bei rezidiven Harnverhalte und eine Dilatation des oberen Harntraktes

Leider ist LUTS bei Urologen nicht gerne gesehene Erkrankung.
Die Untersuchungen sind aufwendig, Behandlung oft schwierig, die Vergütung für die Ärzte ist wenig attraktiv … Onkologische Patienten sind eben lukrativer.


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